Wofür stehst Du morgens auf?
…noch in der Ruhe des Morgens.
Frische klare Luft fließt sanft durchs Fenster hinein, vereinzelte Straßengeräusche, die Strahlen der Sonne streicheln hell über die Vorhänge und veranstalten ein kleines Schauspiel von Licht und Schatten.
Eine Szenerie, die mich da, wo ich gerade schreibe erstmal „festhält“. Kein Aufspringen in den Tag, sondern ein Innehalten, Betrachten, Lauschen, Atmen… ein warmes Gefühl von Freude und Glück wärmt mein Inneres, ein Lächeln macht mein Gesicht weich.
Kostbar!
„Wofür stehst du morgens auf, Christine?“, fragte mich am vergangen Wochenende ein Teilnehmerin meiner „FrauenZeit“ (neuer Termin bereits noch am 21.11.26 !!!) nachdem ich diese Frage in den Raum gestellt hatte.
Kurz hielt ich inne und sagte, „für meine Herzensarbeit, für diesen Tag hier mit Euch (..)“.
Und auch, wenn diese Antwort ganz unmittelbar aus mir heraussprach, musste ich seitdem immer wieder darüber nachdenken.
Nach meiner Antwort auf ihre Frage, spürte ich eine Veränderung im Raum. Mir schien als würde etwas Nachdenkliches, für einen Moment eine sehr verdichtete Präsenz und Aufmerksamkeit aufsteigen, in der sich zugleich Neugierde und Ratlosigkeit, Unsicherheit und zögerliche Aufbruchsstimmung verwoben.
Es ist eine große Frage – einerseits… vor der man vielleicht auch zurückschreckt, die einen überfordern kann (denn, nein, natürlich geht es nicht (nur 😉 ) um den Morgenkaffee und die ganzen ToDos des Tages in ihrer Beantwortung), denn sie fordert auf, den Blick zu weiten – in sich, in die eigene Intention, den eigenen Lebenssinn und die Welt!
Und andererseits – ist es eine, wie ich finde, sehr wichtige Frage, die wir uns nicht jeden Tag stellen müssen, und zugleich wie eine kraftvolle Spur in unser Leben mitnehmen sollten.
Denn sie kann beantworten wie wir ins Leben schauen, welche innere Haltung wir nähren, wie wir den persönlichen und globalen Herausforderungen, den „Polykrisen“ (Edgar Morin, Soziologe) mutig und mit Würdekraft begegnen können – und ja, auch müssen!
Ich stehe morgens auf für meine Herzensarbeit als Therapeutin, Begleiterin, Schwellengängerin, um Räume zu öffnen, in denen Menschen die Erfahrung von Wertschätzung, Gesehenwerden, Gehörtwerden und Miteinander machen können; in denen Frauen und Männer einen sicheren und geschützten Rahmen erleben, um sich ihren inneren Verletzungen und ungesehenen Anteilen zu nähern, sie mit wachsender Würde zu versorgen, um einen Weg der Integration ihrer eigenen Geschichte zu finden.
Und für diese innere Haltung der Wertschätzung, der Würde, des Lebens und Erlebens von echtem menschlichen Miteinander, die genauso mein privates Leben durchzieht, muss auch ich immer wieder etwas tun: mich entscheiden, üben, mich hinterfragen, nicht locker lassen, manchmal auch straucheln – und… dafür mich auch an den kleinen Licht-und Schattenschauspielen der Morgensonne erfreuen! Denn es sind so oft eben auch die kleinen Momente und Dinge, wenn wir sie wahrnehmen und die Kostbarkeit in ihnen erkennen können!
Wofür stehst Du morgens auf?